“Schon verliebt Auto gefahren? - Das ist voll gefährlich!”

(pixelo.de)
Diesen merkwürdigen Gedanken soll ich vor ein paar Jahren im Philosophie-Unterricht gesagt haben und bin damit prompt im Jahrbuch zitiert worden.
Wofür ist die Liebe nicht schon herangezogen worden: die Liebe als Grundhaltung (in vielen Religionen), die “platonische Liebe” (nebenbei: Platon sagte übrigens nicht, dass man dabei auf Sex verzichten oder ihn überwinden müsse), die freie Liebe aus den 60ern, die Metta (aus dem Buddhismus), die Liebe zu Kindern (die in “Du bist Deutschland” so wundervoll klang), Erato (die Muse der Liebesdichtung), …
und nun also die Liebe & die Kreativität.
- Wenn wir so richtig in jemanden “verballert” sind – macht uns das kreativer?
- Und was ist mit der Lust, dem Verlangen nach Sex? Macht uns das kreativer?
Jens Förster, Kai Epstude und Amina Özelsel (die alle ursprünglich in Deutschland lehrten&arbeiteten) von der Universität Amsterdam sind diesen beiden Fragen nachgegangen & zu klaren Antworten gekommen.
Wenn wir verliebt sind, hat das -wie wir wissen- dramatische Auswirkungen auf unsere Biochemie und damit auf unser Handeln und vor allem Denken.
Das haben die drei Wissenschaftler in einem Experiment nachgewiesen und gezeigt, dass wir verliebt eher zu langfristigen und ganzheitlichem Denken neigen, was das analytische Denken behindere. Sind wir “bis über beide Ohren” verknallt, so ginge es um die gemeinsame kommende Zeit, die Wünsche des anderen, das große Ganze. Kurz: wir sehen die ganze Landschaft und weniger das kleine Detail darin.
Ganz anders ist das, wenn wir an Sex denken. Da geht es dann schon etwas kurzfristiger, gegenwärtiger, handfester, konkreter zu. Da geht es um das “Hier und Jetzt”. Das hat natürlich Auswirkungen auf unsere Ideenfindung!
Um diese These zu testen, baten die Wissenschaftler die Probanden u.a. an ein romantisches Date zu denken oder an irgendeine sexuelle Begebenheit. Es zeigte sich, dass das romantische Date weiter in der Zukunft imaginiert wurde.
Jetzt kommt die Wendung: Liberman/Trope zeigen (hier ein Spiegel-Artikel), dass
“je größer der Abstand zu einem Ort oder einem Ereignis ist, desto abstrakter ist das geistige Bild, mit dem das Gehirn arbeitet.”
Und das bezieht sich nach Förster & Kollegen nicht nur auf Orte oder Personen, sondern auch auf Gegenstände oder andere Fragestellungen! Nach ihrer Ansicht ist dieser globalere Blick dem kreativen Denken förderlich, da er mehr Assoziationen zulasse. Dieser “Umweg abseits der Denkautobahn”, dieser andere zweite Blick wird in einigen Kreativitätsmethoden natürlich ganz bewusst genutzt.
(Den Teil für die Empiriker, wie die Wissenschaftler gearbeitet haben, lasse ich aus. Wie die beiden Studien durchgeführt wurden, die die oben stehenden Fragen betreffen, steht zusammengefasst hier und im kostenpflichtigen Original hier.)
Kürzer: wenn wir in großen Zusammenhängen, mit weitem, umfassenden Blick auf etwas denken, wenn wir “verliebt denken”, kommen wir leichter auf Ideen.
Was bringt’s?
Wenn man an Liebe denkt oder an irgendwas, das umfassenderes, globales Denken auslöst, macht uns das kreativer. D.h. weniger in den Details verlieren, sondern einmal das Ganze in den Blick nehmen und vielleicht den Blick mit Absicht noch etwas erweitern, umfassender zu denken, um “im großen Feld” auf besondere Inspirationen zu stoßen.
Und wenn der Gedanke eben Liebe ist, dann soll es mir auch Recht sein.
[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Timo, Tipps für Singles erwähnt. Tipps für Singles sagte: Geistesblitz – Verliebt = ideenreich? http://bit.ly/tYjS7 [...]
Heißt dass im Gegenzug, wenn man “nicht verliebt” oder besser “verlassen” ist, dann hat man keine Ideen mehr?
Das scheint irgendwie ein endloser Kreislauf…
Die Liebe kommt ohne Vorankündigung.
(und mit ihr das ganze andere Schöne.)
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