Interview über Lego serious play mit Reinhard Ematinger

7. November 2009 » 2 Kommentar(e)

Wie das Internet so spielt,
habe ich auf unterschiedlichen Wegen und twitter Reinhard Ematinger kennen gelernt. Zwei Dinge, die mich fasziniert haben: er nennt sich “Experte für selberdenken®” und er berät Unternehmen (u.a.) mit dem Lego serious play-Konzept. (Hier hatte ich schon einmal vor drei-½ Jahren kurz berichtet.)

RE Bildich hab mit ihm ein ausführliches Interview geführt. Im ersten Teil beschreibt er wie es ist, wenn erwachsene Menschen Lego spielen, was selberdenken meint und was die Faszination von Lego serious play ausmacht.

Du beschreibst dich als  “Experte für selberdenken” und hast sogar ein ® rechts oben dran geklebt. Was bedeutet selberdenken für Dich?
selberdenken® bedeutet, das in Organisationen vorhandene Wissen und die Erfahrungen der Mitarbeiter sinnvoll zu nutzen und mit einem ungewöhnlichen, radikalen – und übrigens funktionierenden – Weg Beziehungen und Abläufe in Organisationen und Teams sichtbar und erlebbar zu machen.

Warum dieser neue Weg?
Weil wir gerade jetzt sehen, dass die gute alte Nummer der tollen Inszenierungen superschlauer jugendlicher Starberater mit schlichten Rezepten für alle Fragen der Gestaltung schlanker Prozesse, Entwicklung verständlicher Strategien und nachhaltiger Geschäftsmodellen  immer weniger hilfreich ist.
Was bringt’s?
Neue Einblicke und bereits vorhandene Informationen werden in deutlich kürzeren Zeiträumen miteinander geteilt als es bei klassischen Beratungs- und Moderationsmethoden der Fall ist. Jeder am Tisch hat eine Stimme – nicht nur der Auftraggeber oder der Lauteste. Die für eine Lösung relevanten Informationen und Ideen werden im buchstäblichen Sinn genauso auf den Tisch gebracht wie bisher gut unter dem Teppich versteckte Probleme, offene Fragen und schwierige Themen.

Kann man das überhaupt lehren?
Ja, man kann das lehren – als Bestandteil anderer, ganz unterschiedlicher, Themen und als eigenes Konzept. Ich setze zum Beispiel selberdenken®.strategie bei meiner Vorlesung aus stategischer Unternehmensplanung ein. selberdenken®.kaizen nutze ich, um die Idee schlanker Produktion und pull- und push-Konzepte greifbarer zu machen. LEGO® SERIOUS PLAY® selbst wird im Moment von LEGO Dänemark als Train-the-Trainer-Programm gelehrt.

Wie bist du selbst dazu gekommen, bzw. wie hast du entdeckt, dass man mit LEGO®-Steinen ernsthaft spielen und beraten kann?
Oh, unschuldig: vor etwa 3 Jahren erwähnte das großartige Autorenduo Anja Förster & Peter Kreuz die LEGO® SERIOUS PLAY® – Methode in einem ihrer Business Backstage Reports. Meine Neugierde trieb mich dann in die Arme des mittlerweile stillgelegten Imagination Labs, das eine Menge flott geschriebener papers zum Hintergrund anbot, und zu LEGO Dänemark.

via flickr fe3cruz

via flickr fe3cruz

Für mich schloß sich plötzlich der Kreis aus meinem nicht unbedingt geradlinigen Weg an Ausbildungen und Jobs: Schulabschluß als Maschinenbau-Ingenieur, Studium in Engineering Managment, Ausbildung in NLP, systemischem Coaching und Gruppendynamik. Dazu kommen Veröffentlichungen, 15 Jahre im IT-Geschäft und über 60 Semester Lehraufträge an mehreren Hochschulen in Deutschland und Österreich zu E-Business, Kommunikation, Kundenbindung und Unternehmensstrategie. Genau dieser Hintergrund war für dieses Konzept (endlich mal) brauchbar – eine Mischung aus Beratungshintergrund, Lehrtätigkeit, praktischer Erfahrung mit „harten“ Themen wie Prozessgestaltung kombiniert mit den „weichen“ Themen paßte perfekt.

Das Wort „entdeckt“ in deiner Frage paßt übrigens auch gut, geplant war das sicher nicht.

LEGO®-Steine zum Verdeutlichen von Zusammenhängen zu verwenden, gerade dann, wenn die Fragestellung vage ist und man bereits alles nutzte, was 2 Dimensionen so hergeben, ist nicht wirklich neu oder weit hergeholt (und funktioniert immer, versprochen). Das mache ich schon länger – möglicherweise habe ich damit nie aufgehört.

Das von LEGO vor mehr als 10 Jahren entwickelte SERIOUS PLAY® – Konzept geht einige Schritte weiter: es bietet eine erprobte, durchaus streng durchchoreographierte mehrtägige Agenda für die Arbeit an Team-Identitäten, Strategien und Geschäftsmodellen – und auch zur Arbeit an eher unangenehmen und schwierigen Themen.

Wie wird man LEGO® SERIOUS PLAY® Facilitator?
Indem man sich bei LEGO Dänemark für die Ausbildung bewirbt und die LEGO® SERIOUS PLAY® – Methode dort lernt. Die Zugangsvoraussetzungen sind unter anderem fundierte Ausbildung und nachgewiesene Erfahrung in systemischem Coaching, in der Beratung und als Trainer. LEGO baut das Partnermodell für die so genannten „Certified LEGO® SERIOUS PLAY® Facilitators“ im Moment um und wird es öffnen. Mehr erfahren wir erst Ende 2009. Ich freue mich darüber, dass LEGO aus dem Ansatz open source macht und damit endlich verbreitet. Mit 3 Jahren Erfahrung damit und vielen workshops in Deutschland, Österreich und Brasilien habe ich keine besonderen Sorgen angesichts neu eintretender Wettbewerber … der Kuchen ist groß genug, der Bedarf ist enorm.

Kannst du in twitter-Länge (auf 140 Zeichen) die Faszination, die LEGO® SERIOUS PLAY® ausmacht, beschreiben?
Spielerisch lernen und verstehen wir am schnellsten und nachhaltigsten – das Bild der Realität wird klarer, wenn wir unsere Hände benutzen.

Teil 2 des Interviews folgt dann Anfang der nächsten Woche. hier.

» 2 Kommentare zu “Interview über Lego serious play mit Reinhard Ematinger”

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