Abends bei Günther Jauchs “Wer wird Millionär?”. Der Kandidat hat eine schwierige Frage zu beantworten und kann auf drei Hilfestellungen zurückgreifen: den 50:50-Joker (zwei der vier Antworten werden gelöscht), den Experten-Joker (er kann einen befreundeten Experten anrufen) und den Publikums-Joker (er befragt die anwesenden Zuschauer im Studio).
Vergleicht man den Experten-Joker mit dem Publikums-Joker so gewinnt die Masse: während etwa 65% der Experten-Antworten hilfreich oder richtig sind, entscheidet das Publikum in 91% aller Fragen richtig! Große Gruppe ist besser als Expertenmeinung! Ist das etwa so billig und immer so??
James Surowiecki nennt dieses Phänomen “Die Weisheit der Vielen” und das gleich lautende Buch fasziniert mich gerade sehr.
In diesem ausserordentlich spannenden Buch zeigt er, dass die Weisheit der gesamten Gruppe besser als die beste Lösung des Experten sein kann – aber nicht muss! Wichtig sei, dass die Gruppe vielfältig gemischt sei und alle Individuen unabhängig und autonom, d.h. ohne Absprachen entscheiden. Dann sei eine exaktere und kreative Lösung der Gesamtgruppe möglich. Surowiecki verdeutlicht an einer immens großen Beispielfülle aus Alltag, Wirtschaft und Gesellschaft, dass die Menge eine intelligentere Lösung liefern kann.
Aber das Buch ist kein Manifest auf die alleinige Macht der Gruppe. Der Autor vergisst nicht, dass Gruppen auch irren können. Der erste Teil des Buches ist der Theorie gewidmet ist: wie äußert sich das Phänomen bei a) Kognitions- b)Koordinierungs- und c) Kooperationsproblemen.
Der zweite Teil verfolgt Fallstudien aus den Bereichen Verkehr, Wissenschaft, Raumfahrt (“Columbia-Katastrophe”), Unternehmen, Märkte und Demokratie.
Also ich werd jetzt bei Günther Jauch genauer hinschauen!
Wirklich ein anregendes Buch!